Für die meisten Selbstständigen hat Marketing viel mit Mut zu tun.

Für die meisten meiner Kund:innen ist es so.

Und für mich selbst auch.

Über unsere Person schreiben auf der About me.

Auf kleine oder große Bühnen treten, um seine Dienstleistungen anzupreisen.

In einer Umfrage um Hilfe bitten.

All das fällt vielen Selbstständigen nicht leicht.

Insbesondere, wenn wir hochsensibel und introvertiert sind. (That’s me!)

Wenn uns von jeder Seite „Da musst du eben Mut aufbringen!” oder „Verlasse deine Komfortzone!” zugerufen wird, können wir schnell unter Druck geraten.

Und das hilft nicht wirklich beim „mutig werden”.

Denn: was heißt das überhaupt?

Und sollten wir mutig sein, um bloß mutig zu sein?

Viel schöner finde ich den Gedanken, dass wir ACHTSAM mutig sind.

Die Achtsamkeit kann in diesem Fall so für uns aussehen:

  • Wir erspüren, ob, das, was unseren Mut abverlangt, etwas ist, was WIR vom Herzen wollen. In unserem Marketing kann es bedeuten, dass wir Methoden wählen, die unseren Werten, Stärken und Ressourcen entsprechen. Dass wir eine Positionierung wählen, die uns strahlen lässt. Und uns nicht „spitz” positionieren, weil MAN es so macht.
  • Wir nehmen alle Gefühle mit, die zum Mut dazugehören. Und das sind Aufregung, Freude, aber auch Angst, Sorgen und (Selbst)Zweifel. Wir tun nicht so, als ob wir alles mit links schaffen, sondern gestehen uns ein, dass mutig sein sehr viel Kraft kostet und Regeneration braucht.
  • Wir gehen in unserem eigenen Tempo. Dabei können wir versuchen, unsere Vorschnelligkeit oder unsere Langsamkeit anzunehmen. Weil wir einen Job nebenbei haben, kleine (oder große) Kinder versorgen oder einfach nur hochsensibel sind. Wir könnten nein sagen zu Vergleichen mit anderen, die andere Voraussetzungen und andere Ressourcen haben als wir.

Wenn mutige Schritte in meinem (Business)Leben anstehen, stelle ich mir drei Fragen.

  1. Verlasse ich die Komfortzone zu mir hin?
  2. Wie kann ich in der Lernzone bleiben?
  3. Was brauche ich, um mutig zu sein?

Diese Fragen helfen mir dabei, mutige Schritte zu gehen, um in meiner Selbstständigkeit vorwärtszukommen – und fast noch wichtiger – um mir ein authentisches und wertorientiertes (Business-)Leben aufzubauen, das möglichst 100 % Margot ist.

Wenn du dich auch danach sehnst, ACHTSAM mutig in deinem Marketing und in deinem Leben zu sein, könnten dir diese Fragen dabei helfen.

Frage 1: Verlasse ich die Komfortzone zu mir hin?

 

Vor vielen Jahren las ich mal das Buch „Happiness Project“ von Gretchen Rubin. Eine Überlegung der Autorin, die in dem Buch ihre persönliche Challenge beschreibt, um glücklicher zu werden, brannte sich in meinem Herzen ein.

Leave the comfort zone towards yourself.“

Eine Story für dich:

Als ich mein Studium International Business startete, hielten es die meisten in meiner Umgebung für SEHR mutig. Ich kündigte meine Festanstellung als Assistentin der Geschäftsführung, unterzog mich einigen Prüfungen, um überhaupt zum Studium zugelassen zu werden und entschied mich für eine Variante mit 1,5 Jahren Auslandsaufenthalt.

Es war definitiv ein Schritt aus meiner Komfortzone.

Und in diesem Fall auch ZU MIR HIN.

Warum?

Vor meinem Studium arbeitete ich als Assistentin der Geschäftsführung. Dabei habe ich unter anderem die Reisen eines Geschäftsführers organisiert: Ich habe seine Flüge und seine Hotels gebucht, geschaut, dass seine Visa immer aktuell waren und mich nach seiner Rückkehr um seine Reiseabrechnungen gekümmert. Mein Schreibtisch war voll mit den Taxi-Rechnungen aus Istanbul und New York, gemischt mit den Restaurantquittungen aus Pisa, Kiew und Athen. Und je länger ich mich mit seinen Reisen beschäftigte, umso lauter wurde eine Stimme in mir, die mir zuflüsterte:

Ich will auch in die Welt. Ich will nicht in diesem Vorzimmer sitzen und ihn immer fragen, wie die Reise war. Ich will reisen. Ich will in anderen Ländern leben. Dort arbeiten, die Menschen kennenlernen, an der Seine liegen und Bücher lesen und Scones in Schottland genießen.

Diese Sehnsucht veränderte alles.

Sie bewegte mich zuerst in die Recherche.

Und dann zu der Entscheidung, meine Festanstellung zu kündigen und International Business zu studieren.

Rückwirkend weiß ich:

DAS war definitiv ein Verlassen der Komfortzone zu mir hin.

Hin zu meinen tiefsten Wünschen, zu meinen Träumen.

Als ich nach dem Studium eine Karriere in einem internationalen Konzern startete, war ich auch mutig.

Ich verließ meine Komfortzone.

Tag für Tag.

Meeting für Meeting.

ABER:

Ich verstellte mich.

Gab mich tougher als ich bin.

Und latschte ständig über meine eigenen Grenzen.

Das war AUCH Verlassen der Komfortzone.

Leider nicht zu mir hin.

Sondern von mir weg.

Diese Reflexion hilft mir dabei, meine Ich-verlasse-die-Komfortzone-Motive zu überprüfen und ehrlich zu hinterfragen.

Denn in unserer Selbständigkeit können wir es noch viel besser steuern.

Hier einige Beispiele für dich:

      • Wenn du keine Lust hast, jeden Tag auf Instagram zu posten und live zu gehen, bedeutet es nicht, dass du nicht mutig bist. Es bedeutet einfach, dass es nicht dein Kanal ist und du stattdessen andere mutige Dinge in deinem Marketing tun könntest, die DIR entsprechen. Ich poste nichts auf Social Media, weil dieser Schritt aus der Komfortzone NICHT zu mir hinführen würde. Ich will es einfach nicht. Ich will die Zeit dafür nicht investieren. Und würde ich es tun, dann nur, weil MAN in der Selbstständigkeit bei Instagram & Co. zu sein hat.
      • Du wurdest eingeladen, auf einem Kongress zu sprechen und in dir sträubt sich alles dagegen? Es ist in Ordnung, dass du das nicht machen willst. Es gibt ganz viele verschiedene Möglichkeiten, sichtbar zu werden. Auch, ohne jemals eine Bühne betreten zu haben.
      • Alle erzählen dir, du sollst dich „spitz“ positionieren, aber für dich fühlt es sich einfach nicht stimmig an? Das heißt für mich nicht unbedingt, dass du nicht mutig bist. Wenn du die Komfortzonen zu dir hin verlassen willst, kannst du dich achtsam mutig mit deinen Themen UND unserer Persönlichkeit positionieren.

Ich lade dich ein, bei deinen mutigen Entscheidungen dir folgende Fragen zu stellen:

Verlasse ich die Komfortzone gerade ZU MIR HIN?

Führt dieser mutige Schritt zu mehr ICH in meinem Leben?

Komme ich dadurch meinen Träumen und meinen Wünschen näher?

    Frage 2: Bin ich in der Lernzone oder in der Panikzone?

    Jetzt haben wir schon im groben über die Komfortzone gesprochen. Für die zweite Frage möchte ich gerne das Komfortzonen-Konzept nach Senninger bemühen, um so manche Situationen in meiner Selbstständigkeit und in den Herausforderungen viele meiner Kund:innen zu erklären.

    Das Konzept stammt aus dem aus der Erlebnispädagogik und beschreibt, in welchen „Zonen“ wir uns als Menschen während einer Veränderung bewegen:

     

      Das Komfortzonen-Model nach Senninger

      Komfortzone

       

      In dieser Zone fühlen wir uns wohl und sicher – komfortabel eben. Es ist so etwas wie unsere „innere gemütliche Couch”. Wir kennen uns hier aus und sind nicht gestresst.

      Prinzipiell bin ich der Meinung, dass absolut nichts dagegen spricht, sich hier aufzuhalten. Denn in dieser Zone können wir entspannen, Energie tanken, Selbstvertrauen gewinnen.

      In unserer Selbstständigkeit können es Bereiche sein, die uns leicht fallen, Aufgaben, auf die wir uns freuen und die uns nicht stressen. Wenn wir mit unserer Selbstständigkeit zufrieden sind, können wir auf der „inneren Couch” liegen bleiben.

      Am Anfang meiner Selbstständigkeit wusste ich, dass ich von der Couch aus keine Kund:innen gewinnen werde und so nicht sicherstellen kann, dass ich nicht zurück in die Festanstellung muss. Und das wollte ich auf jeden Fall verhindern.

      Meine Couch bestand aus dem Basteln an meiner Website, am Umschreiben meiner Texte und wochenlanger Marktrecherche und ewigen Überlegungen, welches Freebie ich anbiete.

      Das Verlassen dieser Zone hat sich für mich damals extrem riskant angefühlt. Ich sollte Kund:innen ansprechen? Ich sollte ein Interview geben? Ich sollte mich um einen Gastbeitrag bewerben?

      Diese Ideen machten mich extrem nervös.

      All das fühlte sich eben nicht mehr komfortabel an und ich hatte Angst vor Überforderung.

       

        Lernzone

         

        Die zweite Zone wird auch „Lern- oder Risikozone“ genannt. Hier bewegen wir uns aus der Komfortzone raus und lernen Neues kennen. Und das bringt Risiken und Herausforderungen mit. Und negative Gefühle.

        Wenn wir es schaffen, uns in diese Zone hineinzubewegen, lernen wir vielleicht, dass das Risiko überschaubar ist. Oder aber auch, dass wir manch eine Niederlage doch aushalten können.

        In meinem Fall waren es auch Erfahrungen, die unangenehm waren. Im Nachhinein aber auch okay. Erfahrungen, bei denen ich demütiger wurde, offener, resilienter. Und definitiv mutiger.

        In meiner Lernzone habe ich gelernt, dass ich es liebe, Workshops und Interviews zu geben. Auch, wenn ich vor meinem ersten Podcast Interview eine Woche lang nicht schlafen konnte. Danach fühlte ich mich total erfüllt und glücklich. UND ich lernte, dass hier mein Perfektionismus keine Chance hatte, denn das Interview war vorbei und es gab keine Möglichkeit mehr, jeden Satz noch einmal zu feilen.

          Panikzone

           

          In dieser Zone haben wir großen Stress. Wir sind vollkommen überlastet und können kaum klar denken. Dieser Zustand kann sich bei zu viel neuen zeigen. Oder bei einem Gebiet, der uns einzeln extrem überfordert.

          Das Schöne an der Selbstständigkeit ist, dass wir es selbst in der Hand haben, in diese Zone nicht zu geraten. Indem wir mit uns selbst verbunden bleiben, lernen, nein zu sagen und immer wieder unser Tempo oder unser Pensum drosseln.

          Für mich ist es eine regelmäßige Übung zu reflektieren, ob ich zu nah an der Panikzone bin. In meiner Festanstellung am Konzern bin ich zuletzt auf jeden Fall in der Panikzone gewesen: Als hochsensible Mutter eines Kleinkindes in einer globalen Verantwortung war diese Grenze schnell erreicht.

            Wann für den einen die Komfortzone aufhört und die Lernzone anfängt, ist sehr unterschiedlich.

            Ich habe z. B. eine Freundin, die schon mehrmals Fernsehauftritte hatte, sich aber niemals trauen würde, jemanden bekannten auf der Straße anzusprechen. Bei mir ist es so, dass ich bei dem bloßen Gedanken, für das Fernsehen Schweißperlen auf meiner Stirn sind, mir auf der Straße einen klitzekleinen Ruck geben müsste, um die Person anzusprechen.

            Ich lade dich ein, bei deinen mutigen Entscheidungen dir folgende Fragen zu stellen:

            • Will ich selbst aus der Komfortzone heraus oder denke ich nur, ich müsste?
            • Wie kann ich die Komfortzone in meinem Tempo so verlassen, dass ich mich behutsam in der Lernzone bewegen kann? Was ist ein kleiner, machbarer Schritt?
            • Auf welchen einen wichtigen Bereich, der mir viel Mut abverlangt, kann ich mich fokussieren, damit ich nicht vor Überlastung in die Panikzone rutsche?

             

              Frage 3: Was brauche ich, um mutig zu sein?

               

              Wenn du weißt, dass der Schritt aus deiner Komfortzone ZU DIR hinführt und für dich abgesteckt hast, in welchem Tempo du ihn gehen willst, kannst du in dich hineinlauschen und dich fragen, welche Unterstützung du brauchst.

              Wenn ich eine Sache nennen müsste, die mir am meisten geholfen hat in meiner Selbstständigkeit, das ist es Unterstützung von Kolleg:innen und Mentor:innen, die mir wohlwollend und emphatisch zur Seite gestanden haben, während ich die für mich mutigen Schritte ging.

              Damit du eine Idee davon bekommst, wie du Unterstützung für dich aussehen kann, hier einige Beispiele aus meinem Marketing und dem Marketing meiner Kund:innen

              • Wenn du dein allererstes (oder zweites oder drittes) Webinar hältst oder einen Workshop, kannst du eine(n) liebe(n) Kolleg:in bitten, dein Co-Host zu sein. Sie ist da, hilft dir technische Fragen zu beantworten, ist im Notfall da, falls du aus dem ZOOM Raum fliegst (ist mir schon mal passiert) und du hast jemanden, mit dem du sprechen kannst, wenn dein Event vorbei ist (für mich: Gold wert).
              • Wenn du seit Ewigkeiten an deiner Website, an deinem Newsletter- oder Blog-Konzept bastelst und dich nicht traust, deine Texte zu veröffentlichen, kannst du dir eine(n) Mentor:in darum bitten, dir Feedback zu geben. Mir hat es geholfen, mit Menschen zu arbeiten, die meine „unsichere” Seite ernst nehmen und mir neben der Professionalität auch Mut machen.
              • Eine Business Buddy, mit der du dich regelmäßig austauschst, kann dich dabei unterstützen, deine mutigen Schritte zu gehen. Frage Menschen, die dir sympathisch sind und die in der Selbstständigkeit ungefähr so weit sind wie du. Und ja, ich weiß, auch das erfordert viel Mut!
              • Bevor du deine Konzepte, Ideen und Produkte online stellst, kannst du zuerst in einem geschützten Raum darüber sprechen, z. B. in einem Kleingruppenprogramm oder in einer Mastermind. Durch das erste Feedback kannst du Optimierungen vornehmen und mutigER sichtbar werden, mit all dem, was du anzubieten hast.
              • Manchmal hilft es auch sehr, offen zuzugeben, dass wir z. B. nervös vor einem Interview sind oder verunsichert sind, ob der Gastartikel so in Ordnung ist. Mir wurde hier in der Vergangenheit auch sehr viel Verständnis entgegengebracht, indem mir z. B. auch angeboten wurde, dass ich auch im Nachhinein die Möglichkeit habe, Passagen aus einem Interview herauszunehmen.

              Wenn du vor einem mutigen Schritt stehst, frage dich gerne, was dir helfen könnte.

              1. Wen kannst du um Unterstützung, Feedback oder einfach nur emotionalen Support bitten?
              2. Was bräuchte es, um deine Sorgen / Ängste kleiner zu machen?
              3. Was kann dein geschützter Raum sein, in dem du dich zuerst zeigen und üben kannst?

              Fazit

              Mut ist wichtig, um ein erfülltes Leben zu führen und um für unsere Träume und Wünsche loszugehen. Auch, um in unserer Selbstständigkeit die Freiheit und die Selbstbestimmtheit zu erreichen, wegen der wir uns vielleicht sogar selbstständig gemacht haben.

              Wir können aber auch in einen Aktivismus verfallen, weil jeder uns dazu rät, dies und das zu tun.

              Dann sind wir vielleicht mutig, verlieren uns aber selbst auf dem Weg.

              Du kannst achtsam mutig sein, indem du immer mit dir selbst verbunden bleibst, dir treu bleibst und dann die Energie in Schritte investierst, die sich für dich lohnen.

              Für 100 % DU in deinem Marketing und deinem (Business)Leben.